In der Großen Halle des Volkes: Chinas Ministerpräsident Li Qiang schüttelt Volkswagenchef Oliver Blume die Hand. Bundeskanzler Friedrich Merz bleibt im Hintergrund
Michael Kappeler/dpa

Unprofitable Heimat

Stephan Kaufmann - nd 26.03.26

Europas Regierungen sorgen sich um die nationale Sicherheit und ökonomische Unabhängigkeit. Ihre Konzerne könnten damit wenig anfangen

Lange galt das Dogma, der Staat müsse sich aus der Wirtschaft heraushalten. Denn ein freier Markt sei gut für die Unternehmen, hieß es, und was gut sei für die Unternehmen sei gut für den Standort. Diese Zeiten sind vorbei. Die Regierungen der USA wie auch Europas haben die Industrie als staatliches Schutzobjekt entdeckt. Mit Zöllen, Produktionsvorgaben, Subventionen und Investitionslenkung versucht die Politik, Fabriken auf dem heimischen Territorium zu halten oder von außen anzuwerben. Ziel dabei ist nicht nur ein höheres Wirtschaftswachstum am eigenen Standort. Gleichzeitig zielen die Regierungen darauf, sich in Sachen Industriegüter unabhängiger vom Ausland zu machen: Die Stichwörter sind Resilienz, strategische Autonomie und Nationale Sicherheit. Damit geraten die Regierungen allerdings in Konflikt nicht nur mit den Regierungen anderer Länder; sondern auch mit jenen Institutionen, die die Basis der nationalen Industriemacht bilden: den Konzernen. Staatsinteresse und Kapitalinteresse passen nicht mehr nahtlos zusammen.

Da die geopolitischen und geoökonomischen Widersprüche zwischen den Handelsblöcken wachsen, macht sich die Politik Sorgen um ihre ökonomische Abhängigkeit vom Ausland. Galt früher internationale Arbeitsteilung und freier Welthandel als Garant für Wachstum und Profite der heimischen Industrie, so ist man heute bemüht, Produktionskapazitäten auf dem heimischen Territorium oder im eigenen Machtbereich zu konzentrieren, um die Erpressbarkeit zu mindern…  mehr