Screenshot vom Instagramaccount von Christian Görke

„Marktbereinigung“

Offene Worte - bc

Fleischverarbeitungswerk in Britz wird geschlossen. Ein Verlust für den Barnim.

 Am 6. Januar wurde bekannt, dass die Eberswalder Wurstwerke, ihre Produktion am Standort Britz im Barnim bis zum 28. Februar 2026 einstellen werden. Damit werden 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren.
Auf ihrem Facebook-Account kritisierte die Gewerkschaft „Nahrung-Genuss-Gaststätten“ (NGG) die Schließung. Sie sei Ausdruck einer konsequent auf Rendite und Marktbereinigung ausgerichteten Unternehmensstrategie.

„Der West-Milliardär Clemens Tönnies ist noch nie durch besonders gute Arbeitsbedingungen aufgefallen.“ kommentiert Christian Görke, Brandenburger Bundestagsabgeordneter der LINKEN. 2023 hatte der Konzern den Traditionsbetrieb mit der Marke „Eberswalder Wurst“ aufgekauft und große Investitionen versprochen. „Statt Investitionen kommt jetzt aber die Schließung.“ so Görke. „Das sind Marktbereinigungstaktiken, wie ich sie noch aus Treuhandzeiten kenne.“ Ausgetragen werden diese Machtspielchen auf dem Rücken der Beschäftigten. Görke weist darauf hin, dass „so manch einer der über 500 Beschäftigten sich hier 45 Jahre abgerackert hat und bekommt zum Dank nur eine mickrige Abfindung. Warum? Weil das Betriebsverfassungsgesetz eine Gesetzeslücke für die Verhandlungen von Sozialplänen enthält, die für die ersten vier Jahre nach Gründung gilt. Dass diese Gesetzeslücke für ein 1977 gegründetes Traditionsunternehmen unter dem Etikett einer ominösen „Neugründung” genutzt wurde, ist ekelhaft.“ erklärt Görke auf seiner Instagram-Seite.

Mit dem Aus für die Wurstproduktion in Britz wird der letzte große Fleischverarbeitungsbetrieb in Brandenburg geschlossen. Darauf weist Ralf Christoffers, ehemaliger Brandenburger Wirtschaftsminister hin. Zum Jahresende hatte der größte Schlachthof der Region in Perleberg bereits geschlossen. „Damit wird es für die Landwirte in der Region schwieriger, die Verarbeitungskette von Fleischproduktion und Verarbeitung regional aufrechtzuerhalten. So etwas nennt man Marktbereinigung, die von großen Unternehmen vorgenommen werden“, so Christoffers.

Das Bundeskartellamt als Wettbewerbshüter hatte nach Angaben der Bauernzeitung im Dezember eine Razzia im Schlachthof Perleberg durchführen lassen. Anlass war die Frage nach Absprachen zwischen zwei Wettbewerbern. Das wäre nach Kartellrecht verboten.