Schon wenige Tage nach dem Angriff vom 7. Oktober schlug Israel im Gazastreifen zurück. Womöglich hat sich die Hamas dazu verkalkuliert.
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Gaza-Krieg: »Ein historischer Wendepunkt«

Interview: Elias Feroz

Gilbert Achcar über den Gaza-Krieg, die westliche Doppelmoral und den Aufstieg des Neofaschismus

In Ihrem neuesten Buch setzen Sie den Hamas-Angriff vom 7. Oktober und dessen Folgen in einen größeren historischen Zusammenhang. Wie schätzen Sie die langfristigen Folgen für Gaza und die Zukunft Israel-Palästinas ein?

Die Hamas-Operation am 7. Oktober mit all den an diesem Tag begangenen Gräueltaten war laut den Organisatoren ein erster Schritt zur Befreiung der Palästinenser. Gemessen daran endete sie in einer Katastrophe. Die palästinensische Bevölkerung ist nun einer größeren Bedrohung als je zuvor ausgesetzt. Wir erleben einen genozidalen Krieg Israels, der bereits eine enorme Zahl an Todesopfern gefordert hat.
Die offiziellen Zahlen der direkt durch Bomben Getöteten sind bekannt. Zählt man aber auch die Todesfälle infolge der Blockade, des Stopps von humanitärer Hilfe, der gezielten Hungersnot, des Ausfalls der Wasserversorgung und der Zerstörung der Gesundheitsinfrastruktur hinzu, dann liegt die tatsächliche Zahl weit über den offiziell genannten 60 000 Todesopfern. Möglicherweise müssen wir von über 200 000 ausgehen. Das ist eine erschreckende Bilanz. Darauf folgte eine umfassende israelische Offensive, die ohne den Vorwand des 7. Oktobers politisch nicht durchsetzbar gewesen wäre …  mehr