Ein Gedenkort für Lothar Bisky
Am 17. August wäre er 85 Jahre alt geworden: Der Rektor der Filmhochschule Potsdam, PDS-Vorsitzender und Mitbegründer des Brandenburger Wegs.
Eine Initiative aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Zivilgesellschaft hat anlässlich des 85. Geburtstags von Prof Dr. Lothar Bisky einen Aufruf an die Stadt Potsdam gestartet, einen öffentlichen Ort zu Ehren von Prof. Dr. Lothar Bisky (1941–2013) zu schaffen. In der Erklärung heißt es unter anderem (gekürzt):
Lothar Bisky war eine prägende Persönlichkeit der deutschen Demokratiegeschichte – als Politiker, als Wissenschaftler, als Lehrer und Rektor der Filmhochschule „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg.
Als Politiker hat Lothar Bisky die Transformation der DDR in eine demokratische Gesellschaft aktiv mitgestaltet. Auf der für den Verlauf der friedlichen Revolution in der DDR so wichtigen Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz sprach er als Rektor der Filmhochschule und forderte Vertrauen, Dialog und demokratische Legitimation – zu einem Zeitpunkt, als dies noch keineswegs selbstverständlich war.
Nach der Wende wurde er zum Mitbegründer und langjährigen Vorsitzenden der PDS, später der Partei Die Linke. Er setzte sich für eine sozial gerechte, solidarische undeuropäisch verankerte Politik ein – stets als Mann des Ausgleichs, der Brücken baute und unterschiedliche Strömungen zusammenführte.
Als Fraktionsvorsitzender der PDS im Brandenburger Landtag, als Vizepräsident des Landtages und als medienpolitischer Sprecher seiner Fraktion im Bundestag und im Europäischen Parlament hat er sich für eine offene, kritische und demokratische Medienkultur eingesetzt.
Als Vorsitzender des Stolpe-Untersuchungsausschusses wagte er einen neuen Weg im Umgang mit Lebensleistungen und politischen Biographien – und begründete den „Brandenburger Weg“ mit.
Er garantierte das Vertrauen in die Brandenburger PDS, die im Landtag Brandenburg mitgestaltend an der Ausarbeitung und Verabschiedung der am 21. August 1992 in Kraft getretenen Verfassung des Landes Brandenburg mitwirkte.
Vor seinem politischen Engagement war Lothar Bisky Professor für Film- und Fernsehwissenschaft und von 1986 bis 1990 Rektor der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam-Babelsberg. Als Rektor öffnete er die Hochschule für internationale Kooperationen, förderte den freien künstlerischen Ausdruck und verteidigte die Studierenden gegen ideologische Bevormundung. Er verstand Bildung als Emanzipation und Kommunikation als Verständigung – und lebte dies im Hörsaal wie im politischen Diskurs.
Zu den Erstunterzeichnenden gehören unter anderem:
Dietmar Bartsch, Ralf Christoffers, Peter-Michael Diestel, Andreas Dresen, Dagmar Enkelmann, Christian Görke, Gregor Gysi, Kerstin Kaiser, Rolf Kutzmutz, Matthias Platzeck, Helmut Scholz, Ines Schwerdtner, Katharina Slanina, Anita Tack, Isabelle Vandré, Heinz Vietze, Kornelia Wehlan, Christine Willnat, Stefan Wollenberg
