Wilhelm-Pieck-Denkmal in Guben
Die Linke Lausitz

Ehrung von Wilhelm Pieck

Anläßlich des 150. Geburtstages von Wilhelm Pieck fand eine Kundgebung in seiner Geburtsstadt statt. Diethelm Pagel hielt folgenden Redebeitrag. 

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde und Genossen, danke, dass Sie, Ihr hier seid,

wir ehren heute aus Anlass seines Geburtsdatums vor 150 Jahren Wilhelm Pieck, einem der größten Söhne unserer Stadt.

Wilhelm Pieck wurde am 3. Januar 1876 in Guben als Sohn eines Kutschers und einer Wäscherin geboren. Sein Elternhaus stand im östlichen Teil der Stadt, heute Gubin.
Nach Beendigung der Volksschule begann er 1890 eine Tischlerlehre und begab sich nach deren Abschluss 1894 auf Wanderschaft. Im Jahr 1894 wurde er Mitglied des freigewerkschaftlichen Deutschen Holzarbeiterverbandes und trat 1895 in Marburg in die SPD ein.
Ab 1896 wohnte er in Bremen, wo er bis 1906 als Tischler arbeitete. 1898 heiratete er die Schneiderin Christine Häfker, mit der er 3 Kinder hatte.
1899 wurde er in Bremen Stadtbezirksvorsitzender der SPD.
Im Jahr 1906 gab er seinen Beruf als Tischler auf und wurde hauptamtlicher Erster Sekretär der Bremer SPD. Er besuchte den Halbjahreskurs 1907/1908 der zentralen Parteischule der SPD in Berlin, wo er Rosa Luxemburg und Franz Mehring kennen lernte.
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges engagierte er sich ab 1914 im linken Parteiflügel gegen den Krieg.
Nach einer „Schutzhaft“, die wegen seiner politischen Agitation gegen ihn verhängt worden war, wurde Wilhelm Pieck zum Kriegsdienst an der Neiße und an der Westfront eingezogen.
1917 tat sich Pieck, der inzwischen aus der SPD austrat, als Mitbegründer des Spartakusbundes hervor. Pieck geriet in Untersuchungshaft, aus der ihm Anfang 1918 die Flucht nach Amsterdam gelang.

Anlässlich der Novemberrevolution 1918 kehrte er jedoch nach Berlin zurück und wird Mitglied der neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands.
Am Abend des 16. Januar 1919 wird er zusammen mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht bei einem Treffen im Berliner Hotel Eden verhaftet. Während Luxemburg und Liebknecht ermordet wurden, entkam Pieck den Freikorps-Soldaten; ob durch Flucht oder Freilassung, ist ungeklärt. Dies hatte Verdächtigungen zur Folge, die 1929 den KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann veranlassten, Pieck vor ein Ehrengericht der Partei zu stellen. Die KPD gab die Entscheidung nicht bekannt.
Von 1921 bis 1928 saß Pieck im Preußischen Landtag. 1928 bis 1933 war er außerdem im Reichstag vertreten.
Infolge der nationalsozialistischen Machtübernahme durch Adolf Hitler im Januar 1933 und der einsetzenden Verfolgung deutscher Kommunisten emigrierte Wilhelm Pieck im Mai zunächst nach Frankreich. Im August 1933 stand Wilhelm Piecks Name auf der ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reichs.
Im Jahr 1935 wechselte er von Paris nach Moskau, wo er noch im selben Jahr auf der sogenannten „Brüsseler Konferenz“ der KPD anstelle des inhaftierten Ernst Thälmann zum Vorsitzenden der Exil-KPD erhoben wurde.
In den Jahren von 1938 bis 1943 fungierte er in Moskau als Generalsekretär der Kommunistischen Internationale.
1943 tat Pieck sich dort als führender Mitbegründer des „Nationalkomitees Freies Deutschland“ hervor, das die sozialistische Neugestaltung Deutschlands in der Nachkriegszeit vorbereitete. Nach der Ermordung Ernst Thälmanns 1944 im KZ Buchenwald war Pieck nach allgemeiner Einschätzung zum nächsten KPD-Chef bestimmt.
Nachdem Wilhelm Pieck gemeinsam mit Angehörigen der Gruppe Ulbricht und anderer KPD-Kader von Stalin Instruktionen erhalten hatte, kehrte er am 1.Juli 1945 nach Berlin zurück.
Ob sein Auftrag war, auf den Aufbau eines bürgerlich-demokratischen, einheitsstaatlichen, aber neutralen Deutschlands hinzuwirken oder auf die Durchsetzung der hegemonialen Macht der Kommunisten bei der Errichtung einer staatlichen Struktur in der Sowjetischen Besatzungszone, ist in der Forschung umstritten.
Zunächst forcierte er bis 1946 zusammen mit Otto Grotewohl den Prozess der Vereinigung von KPD und SPD in der Sowjetischen Besatzungszone zur SED.
Danach fungierte er mit Grotewohl bis 1954 als Vorsitzender der SED und war er bis 1960 im Zentralsekretariat, dann Politbüro der Partei vertreten.
Nach der Gründung des sozialistischen deutschen Staates im Oktober 1949 war er bis zu seinem Tod am 7. September 1960 deren erster und einziger Präsident. Er starb in Berlin.
Der Staatsrat der DDR wurde als Nachfolgeorgan des Amtes des Präsidenten geschaffen.

Wir sind uns dessen bewusst, dass historische Ereignisse und auch Persönlichkeiten im Laufe der Zeit wechselnden Bewertungen und Wertschätzungen unterliegen, bleiben dessen ungeachtet aber geschichtsrelevant. So ist es auch mit Wilhelm Pieck.
Wilhelm Pieck wird am 5. Mai 1946 Ehrenbürger der Stadt Guben.
Am 7. Juni 1951 erfolgt in Anwesenheit von Staatspräsident Wilhelm Pieck die Grundsteinlegung des Schulneubaus und am 18. Februar 1952 erfolgt die Übergabe der Wilhelm-Pieck-Schule.
Die Stadt Guben wird am 3. Januar 1961 in „Wilhelm-Pieck-Stadt Guben“ umbenannt.
Aus Anlass des 100. Geburtstages wird am 3. Januar 1976 in der heutigen Klaus-Herrmann-Straße das Wilhelm- Pieck-Monument enthüllt.
Gemäß der städtischen Schulentwicklungsplanung wird im Jahr 2000, trotz Protesten der Bevölkerung Gubens und einer Menschenkette um das gesamte Objekt, die Auflösung der Grundschule 3, ehemalige Wilhelm-Pieck-Schule durchgesetzt.
Eine der ersten Entscheidungen der neugewählten Stadtverordnetenversammlung nach der politischen Wende bestand darin, künftig die Ortsbezeichnung „Wilhelm-Pieck-Stadt“ zu streichen und den Ehrennamen „Wilhelm Pieck“ der Schule zu tilgen.

Wir ehren heute Wilhelm Pieck aus Anlass seines 150. Geburtstages dafür, was er für uns war, ist und bleiben wird – einer der größten Söhne unserer Stadt.“